... Ein paar Tage später erwischte ich meine Nummer 12, was mir einen
handschriftlichen Glückwunsch von Seiner Majestät dem Kaiser und einen Anruf
von meinem Konkurrenten Immelmann aus Douai einbrachte. Er gratulierte mir,
beschwerte sich aber, dass ich mit dem nächsten auf ihn warten solle, damit er
aufholen könnte. Hmm, versprechen konnte ich da nichts. Da musste er sich schon
selbst anstrengen. Und siehe da, schon am nächsten Tag ging es weiter. Aber
zuerst musste ich ein Missverständnis aufklären. Ich war auf Patroullie und
bemerkte zwei Farman Doppeldecker, die auf unsere Stellungen zuflogen. Ich war
höher als die beiden, machte mich ungesehen von hinten an den einen ran und
eröffnete das Feuer. Währenddessen begannen unsere Ballonabwehrkanonen
ebenfalls auf die Farmans zu schiessen. Meinem Kunden gefiel es nicht, dass ihm
die Kugeln um die Ohren pfiffen, und ging in einen steilen Sturzflug über, um
mir zu entkommen. Ich schoss weiter auf ihn, aber wir kamen schnell in
niedriger Höhe an die feindlichen Stellungen heran, so dass ich abdrehen musste
und der Franzose entkam. Der Zwischenfall wurde von den Ballonabwehrkannonieren
als Abschuss gemeldet, und zwar von ihnen. Ausserdem behaupteten sie, dass ein
Fokkerflieger den abstürzenden Doppeldecker attackiert hätte, der Franzose dann
auf der deutschen Seite gelandet wäre, seine Maschine repariert hätte und
wieder gestartet wäre. So ein Unsinn! Der Stabsoffizier der Flieger rief mich
ganz entrüstet an, wie das denn möglich sei. Ich berichtete ihm, was wirklich
passiert war, dass nähmlich der feindliche Doppeldecker weder abgestürzt noch
bei uns gelandet war. Zu dumm, dass das den Ballonabwehrkannonieren einen
„Abschuss“ kostete. Auf dem gleichen Flug überraschte ich einen anderen Farman
Doppeldecker im Kurvenkampf mit einem Deutschen. Ich war in einer günstigen
Position, um mich einzumischen. Von hinten oben stürtze ich mich auf den schon
sehr beschäftigten Franzosen. Mit dem hinten eingebauten Motor und
Druckpropeller hatte der Schütze zwar ein freies Feld nach vorne, konnte sich
aber nicht nach hinten wehren. Ich kam ziemlich schnell an ihn heran, feuerte
ein paar Runden aus nächster Entfernung und wollte gerade über ihn hinweg
hochziehen, um nicht mit ihm zusammenzustossen, als dieser in Brand geriet und
explodierte. Wie eine grosse Fackel stürzte er ab, eine schwarze Rauchfahne
hinter sich herziehend. Ich erlaubte es mir nicht über ihren schrecklichen Tod
nachzudenken, ich hoffte nur, dass es schnell ging. Warscheinlich hatte ich den
Benzintank, der über dem Motor lag, getroffen. Dann lief das Benzin über den
heissen Motor Deshalb gerieten diese
Dinger immer so leicht in Brand. Zum Glück war die Anordnung in unseren
Flugzeugen besser. Das war einfach und schnell gegangen mit der Nummer 13. Tut
mir leid, Max, dass ich nicht warten konnte!